Telematikinfrastruktur (TI): Der sichere Weg in die digitale Patientenversorgung¶
Es ist Montagmorgen, 7:45 Uhr. Sie schalten die Praxisklingel an und sehen es sofort: Der Konnektor neben dem Empfangstresen leuchtet rot. Nicht grün. Nicht wie sonst.
Was ist die Telematikinfrastruktur?¶
Die Telematikinfrastruktur, kurz TI, ist das sichere Netzwerk, über das deutsche Vertragsärzte mit den digitalen Systemen des Gesundheitswesens kommunizieren. Die TI ist nicht optional. Sie ist für Vertragsärzte Pflicht.
Wozu dient sie? Die TI ist der Schlüssel zu den modernen Leistungen des deutschen Gesundheitssystems:
- eRezept: Sie schreiben Rezepte elektronisch auf. Der Patient lädt sie sich herunter oder lässt sie direkt in die Apotheke übertragen.
- eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung): Krankschreibungen gehen direkt an die Krankenkasse – ohne Papier.
- KIM (Kommunikation im Medizinwesen): Sie mailen mit anderen Ärzten und Institutionen, TI-basiert und verschlüsselt.
- ePA (elektronische Patientenakte): Ihre Patientendokumente werden zentral digital gespeichert (Opt-out seit 2025).
Wer betreibt die TI? Das ist wichtig zu verstehen: Die gematik GmbH (Gesellschaft für Telematik) ist der Betreiber und Regelsetzer. Die KV (Kassenärztliche Vereinigung) ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. Ein TI-Dienstleister (wie Koconet oder secunet) ist der technische Umsetzer vor Ort.
Merksatz: Die TI ist nicht nur Technik – sie ist Infrastruktur mit rechtlichen Anforderungen. Und sie funktioniert nur, wenn alles korrekt zusammenspielt: Konnektor, Zertifikate, Zugangsdaten, Netzwerkverbindung.
Die wichtigsten Komponenten der TI¶
Der Konnektor. Das ist eine kleine Hardware-Box, die an Ihrem Netzwerk hängt. Sie ist das Tor zur TI. Der Konnektor ist der einzige sichere Zugang. Alles andere – ePA-Zugriff, eRezept, eAU – läuft über ihn.
eHBA (elektronischer Heilberufsausweis). Das ist Ihr persönliches digitales Zertifikat. Mit Ihrem eHBA und einer PIN beweisen Sie, dass Sie derjenige sind, der Sie behaupten zu sein. Der eHBA ist eine Chipkarte oder eine USB-Smartcard. Darin ist ein privater Schlüssel, der nie nach außen darf.
SMC-B (Praxisausweis). Das ist der digitale Ausweis für Ihre gesamte Praxis. Mit dem SMC-B identifiziert sich die Praxis als juristische Einheit gegenüber der TI. Auch eine Chipkarte, auch mit PIN-Schutz.
KIM. Das ist Ihre TI-basierte E-Mail. Nicht unsicheres Webmail, sondern TI-verschlüsselt. Sie brauchen einen KIM-Account und eine KIM-Software (CGM, Arvato).
Das Szenario: Der rote Konnektor¶
Zurück zu Ihrem Montagmorgen. Der Konnektor leuchtet rot. Was kann das bedeuten?
- Der Konnektor ist nicht mit der TI verbunden. Netzwerkproblem? Router-Konfiguration? Oder das TI-Netz ist gerade offline?
- Das Zertifikat des Konnektors ist abgelaufen. Der Konnektor hat zeitlich begrenzte Zertifikate, die vom TI-Dienstleister aktualisiert werden müssen.
- Firmware-Update erforderlich. Der Konnektor muss aktualisiert werden.
- Hardware-Fehler. Der Konnektor selbst ist defekt.
Ihr erster Schritt: Den TI-Dienstleister anrufen. Das ist seine Aufgabe. Aber Sie sollten wissen, was zu prüfen ist: Ist das Netzwerk verbunden? Ist das TI-Passwort noch gültig? Wann war das letzte Zertifikats-Update?
Merksatz: Sie sind nicht allein mit der TI-Verwaltung – aber Sie sind verantwortlich dafür, dass alles läuft. Das ist eine geteilte Verantwortung zwischen Ihnen und dem TI-Dienstleister.
Die restlichen Teile dieses Kapitels¶
Dieses Kapitel ist das Fundament. Die nächsten Abschnitte gehen tief:
- Teil 4.1: TI-Grundlagen – Wie die TI funktioniert, wer für was zuständig ist, Ihre Verantwortung
- Teil 4.2: Der Konnektor – Hardware, Updates, Sicherheit, was Sie prüfen können
- Teil 4.3: eHBA und SMC-B – Digitale Ausweise, PIN-Sicherheit, Verlängerung
- Teil 4.4: KIM – E-Mail auf Rezept, warum es Fax und unsicheres Webmail ersetzt
- Teil 4.5: ePA, eRezept, eAU – Die großen Anwendungen der TI im Praxisalltag
- Teil 4.6: TI-Ausfall und Notbetrieb – Was Sie tun, wenn es rot leuchtet
Checkliste: Telematikinfrastruktur – Die Basics¶
- Ich weiß, dass die TI für Vertragsärzte Pflicht ist – keine Option.
- Ich verstehe die vier Hauptanwendungen: eRezept, eAU, KIM, ePA.
- Ich kenne die Rollen: gematik (Betreiber), KV (Ansprechpartner), TI-Dienstleister (Techniker).
- Ich habe einen TI-Dienstleister benannt und seine Kontaktdaten gespeichert.
- Ich weiß, wo mein Konnektor ist und kann die Status-LEDs interpretieren.
- Ich habe meinen eHBA (Heilberufsausweis) an einem sicheren Ort aufbewahrt.
- Ich kenne die PIN für meinen eHBA und für die SMC-B.
- Ich habe einen Notfallplan, falls der Konnektor rot leuchtet.
- Ich weiß, dass die nächsten Teile tiefer in die Technik gehen – und ich lese sie gründlich.