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KI-Tools im Überblick

KI-Tools im Überblick – Wofür sind sie geeignet?

Die Kategorien

Es gibt mehrere Kategorien von KI-Tools, die für Arztpraxen relevant sind. Sie haben unterschiedliche Datenschutz-Profile und unterschiedliche Eignung:

Kategorie 1: Transkriptions-Tools (Diktaphone-Ersatz)

Diese Tools wandeln Sprache in Text um – und sind speziell für medizinische Nutzung optimiert.

Beispiele: - Dragon Medical One (Nuance, jetzt Microsoft): Medizinische Spracherkennung mit medizinischem Vokabular. Der Arzt diktiert, und das System schreibt automatisch Arztbriefe. - Nabla Copilot (Nabla): Spezialisiert auf ärztliche Dokumentation. Ärzte diktieren, die KI strukturiert den Text. - Nuance DAX (Microsoft): Suite aus Spracherkennung + medizinischer KI für Dokumentation.

Warum relevant für Arztpraxen: - Spart massive Zeit (ein Arztbrief, den der Arzt 15 Minuten schreiben würde, wird in 2-3 Minuten diktiert) - Spezialisiert auf Medizin – versteht medizinisches Vokabular, Nomenklatur, Strukturen - Haben native Auftragsverarbeitungsverträge – DSGVO-konform - Integrieren oft direkt mit dem PVS

Datenschutz: - Diese Tools haben explizite AVV mit den Arztpraxen - Daten werden nicht zum Training genutzt (im Gegensatz zu ChatGPT) - Medizinische Daten sind explizit als "besondere Kategorien" im Vertrag geschützt

Kosten: - Typischerweise 50-100 Euro pro Benutzer pro Monat - Oft Volumen-Rabatte für Praxen

Für Arztpraxen: Das ist oft die beste Lösung. Spezialisiert, sicher, zahlt sich durch Zeiteinsparung aus.

Kategorie 2: Text-Hilfe für administrative Aufgaben

Diese sind allgemeine KI-Tools, die für nicht-sensitive Aufgaben in Praxen genutzt werden können.

Beispiele: - ChatGPT (OpenAI) – mit Enterprise AVV - Google Gemini for Business - Microsoft Copilot Pro

Wofür geeignet in Arztpraxen: - Termin-Reminder-E-Mails schreiben (ohne Patientendaten) - Verwaltungs-Schreiben formulieren - Allgemeine Praxis-Kommunikation - Schulungs-Materialien für Patienten (generisch)

Wofür NICHT geeignet: - Arztbriefe (verwenden Sie spezialisierte Transkription-Tools) - Befund-Formulierung (dito) - Anything mit echten Patientendaten

Datenschutz: - Kostenlose Versionen: Unsicher. Daten werden zum Training genutzt. NICHT für Praxis-Daten. - Enterprise-Versionen: Sicher mit AVV.

Kosten: - Kostenlos (aber unsicher) - Enterprise: 20-50 Euro pro Nutzer/Monat

Für Archtspraxen: Die kostenlose Version ist ein Risiko. Enterprise ist sicher, aber für administrative Aufgaben braucht es Disziplin (keine Patientendaten).

Kategorie 3: KI-gestützte Codierung (ICD, OPS)

Spezialisierte Tools, die Ärzte bei der Diagnose- und Prozeduren-Codierung unterstützen.

Beispiele: - Optum Impact ProCoder (Optum): KI-basierte Codierungs-Empfehlung - 3M CodeCompass (3M): Codierungs-Unterstützung mit KI - Verschiedene PVS-Hersteller bieten native Codierungs-KI an

Warum relevant: - ICD/OPS-Codierung ist zeitaufwendig - Die KI kann aus Freitexten automatisch Codes vorschlagen - Der Arzt überprüft und bestätigt

Datenschutz: - Diese Tools haben AVV-Verträge - Sie sind speziell für den medizinischen Betrieb entwickelt

Für Arztpraxen: Spezialisiert und sicher. Lohnt sich, wenn die Praxis viel codiert.

Kategorie 4: KI-gestützte Diagnoseunterstützung

Das ist etwas anderes als allgemeine KI. Das sind spezialisierte Systeme für spezifische medizinische Aufgaben:

Beispiele: - Radiologie-KI: Erkennung verdächtiger Strukturen in Röntgen-, CT-, MRT-Bildern - Pathologie-KI: Unterstützung bei Gewebediagnosen - EKG-KI: Automatische EKG-Interpretation - Labor-KI: Anomalie-Erkennung in Labordaten

Warum relevant: - Diese Systeme sind speziell für medizinische Diagnose trainiert - Sie haben in klinischen Studien bewiesene Genauigkeit - Sie sind in den Behandlungsprozess integriert

Datenschutz: - Diese Systeme haben AVV und sind DSGVO-konform - Medizinische Daten sind geschützt

Für Archtspraxen: Wenn Sie Radiologie machen oder Labor-Automation haben, sind diese Systeme sinnvoll.

Die praktische Regel: Wer braucht einen AVV?

Die Faustregel ist einfach:

Wer einen AVV mit dem KI-Anbieter abschließen kann und wer Gesundheitsdaten als "besondere Kategorie" im Vertrag abdeckt, kann den Dienst in Betracht ziehen. Wer das nicht kann (z.B. kostenlose ChatGPT-Version), darf keine Patientendaten eingeben.

Das bedeutet konkret:

Mit AVV möglich: - Dragon Medical One ✓ - ChatGPT Business/Enterprise ✓ (wenn der Arzt einen AVV abschließt) - Nabla ✓ - 3M CodeCompass ✓ - Radiologie-KI-Systeme ✓

Ohne AVV nicht möglich: - ChatGPT kostenlos ✗ - Google Gemini kostenlos ✗ - Microsoft Copilot kostenlos ✗

Workaround (mit Vorsicht): - Kostenlose Tools KÖNNEN genutzt werden, wenn strikte Anonymisierung durchgesetzt wird - Aber das braucht ständige Vigilanz und ist fehleranfällig


Praktische Empfehlung für Arztpraxen

Basierend auf Kosten, Nutzen und Datenschutz:

  1. Für Transkription/Arztbriefe: Dragon Medical One oder Nabla. Spezialisiert, sicher, zahlt sich aus.
  2. Für administrative Texte: Wenn überhaupt, Enterprise-Version eines großen Anbieters mit AVV. Oder lokale KI-Modelle.
  3. Für Codierung: Spezialisierte Codierungs-KI oder PVS-integrierte Lösung.
  4. Für Diagnoseunterstützung: Spezialisierte medizinische KI-Systeme, wenn relevant für Ihre Praxis.

Das Minimum: - Keine echten Patientendaten in kostenlose KI-Tools - Spezialisierte medizinische Tools für spezialisierte medizinische Aufgaben


Checkliste: KI-Tools für Arztpraxen

  • Ich kenne die verfügbaren KI-Tools und ihre Datenschutz-Profile.
  • Für jeden genutzten KI-Tool gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag.
  • Meine Mitarbeiter wissen, welche Tools für welche Aufgaben geeignet sind.
  • Spezialisierte medizinische KI-Tools sind in Betracht gezogen (Transkription, Diagnoseunterstützung).
  • Es gibt eine klare Policy: Welche Tools darf die Praxis nutzen, und wofür?
  • Mitarbeiter sind geschult, diese Policy zu befolgen.
  • Risiko-Tools (kostenlose ChatGPT) sind entweder gesperrt oder unter strikten Richtlinien.