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Praxisverwaltungssystem (PVS): Das Herz der Praxis

Es ist 8:45 Uhr, Sprechstundenstart in 15 Minuten. Sie machen den Praxis-PC an – und sehen auf dem Monitor einen roten Fehler: „Datenbankfehler 3007". Das PVS lädt nicht. Die ersten Patienten stehen an der Rezeption und wollen angemeldet werden.


Was ist ein PVS?

Das Praxisverwaltungssystem (PVS) ist die zentrale Software einer jeden Arztpraxis. Es ist kein Programm, das Sie nebenbei nutzen. Es ist der Kern des Praxisbetriebs.

Was speichert das PVS?

  • Patientenstammdaten: Name, Geburtsdatum, Kontaktdaten, Versicherungsdaten.
  • Anamneseblätter: Die medizinische Vorgeschichte jedes Patienten.
  • Behandlungsunterlagen: Was wurde wann gemacht, welche Diagnosen, welche Medikationen.
  • Labordaten: Laborergebnisse, Werte, Trends.
  • Bilddaten: Röntgenaufnahmen, Ultraschallbilder (falls digital gespeichert).
  • Abrechnungsdaten: Alle medizinischen Leistungen für die KV-Abrechnung.
  • Termindaten: Wer kommt wann zur Sprechstunde.

Das PVS ist die Datenbank der Praxis. Wenn es nicht läuft, ist die Praxis funktionsmäßig erledigt.

Merksatz: Das PVS ist nicht austauschbar wie eine Browser-App. Es ist die Infrastruktur. Ausfallzeit beim PVS ist Ausfallzeit der Praxis.


Bekannte PVS-Systeme (ohne Wertung)

Es gibt mehrere etablierte PVS-Produkte am Markt:

Turbomed (von Turbomed GmbH). Eines der verbreitetsten Systeme im deutschsprachigen Raum. Stabil, gute Integration mit TI, großes Netzwerk von Supportern.

Medistar (von Medistar). Auch weit verbreitet, ähnlich etabliert wie Turbomed. Guter KIM-Support, gute Anbindung an Labore.

Tomedo (von Tomedo GmbH). Cloud-basiertes System. Etwas jünger, modernes Interface, Integration mit ePA.

CGM M1 (von CompuGroup Medical). Ein großes System, viele Funktionen, oft in größeren Praxen.

x.isynet (von xitos). Ein weiteres etabliertes System, speziell für Fachärzte.

Dampsoft. Kleineres, eher in speziellen Fachgruppen verbreitet.

Alle diese Systeme erfüllen die KBV-Zertifizierung und unterstützen die TI. Der Unterschied liegt in Details: Benutzerfreundlichkeit, Supportqualität, Preis, spezielle Features.

Das Wichtigste: Welches System Sie haben, ist weniger kritisch als dass es zertifiziert ist und regelmäßig Updates bekommt.


Warum ist der PVS-Ausfall so dramatisch?

Ein Ausfall des PVS bedeutet:

  • Sie können keine Patienten anmelden (die Termin-/Patientenliste ist im PVS).
  • Sie können nicht auf Patientenakten zugreifen.
  • Sie können keine Rezepte schreiben (zumindest nicht elektronisch).
  • Sie können keine Abrechnungsdaten erfassen.
  • Sie können keine AU ausstellen.
  • Sie wissen nicht, welche Laborwerte vorliegen.

Im Notfall können Sie Papier nutzen – aber das ist langsam, fehleranfällig und belastet die Praxis massiv.

Das ist der Grund, warum die PVS-Auswahl, -Wartung und -Sicherung so kritisch sind.


Die restlichen Teile dieses Kapitels

Die nächsten Abschnitte behandeln:

  • Teil 5.1: PVS-Auswahl und Zertifizierung – Worauf achten bei der Auswahl oder dem Austausch eines PVS
  • Teil 5.2: PVS-Sicherheit im Betrieb – Zugriffsrechte, Protokollierung, Netzwerksicherheit
  • Teil 5.3: PVS-Backup – Datensicherung, Aufbewahrungsfristen, Restore-Tests

Checkliste: PVS – Grundverständnis

  • Ich weiß, welches PVS-System wir nutzen (Turbomed, Medistar, Tomedo, etc.).
  • Ich verstehe, dass das PVS die zentrale Datenbank der Praxis ist.
  • Ich weiß, dass das PVS zertifiziert sein muss (KBV-Zertifizierung).
  • Ich verstehe, dass ein PVS-Ausfall die ganze Praxis lahmlegt.
  • Ich kenne meinen PVS-Support (Telefonnummer, Ansprechpartner).
  • Ich habe einen Plan für einen PVS-Ausfall (Papierform-Fallback).
  • Das PVS wird regelmäßig aktualisiert (mindestens monatlich).
  • Ich weiß, dass die Sicherheit des PVS genauso wichtig ist wie die Verfügbarkeit.
  • Die letzten drei Teile sind für die Praxis-Resilience essentiell.