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TI-Ausfall & Notbetrieb

TI-Ausfall und Notbetrieb: Wenn die Infrastruktur ausfällt

Es ist Mittwoch, 9 Uhr. Der Konnektor leuchtet rot. Sie versuchen, ein eRezept zu schreiben – es funktioniert nicht. Der erste Patient sitzt im Zimmer und wartet. Was tun Sie jetzt?


Was passiert bei einem TI-Ausfall?

Ein TI-Ausfall kann mehrere Formen annehmen:

  1. Konnektor-Ausfall bei Ihnen vor Ort. Der Konnektor ist defekt, offline oder hat ein Zertifikatsproblem. Das ist der häufigste Fall.
  2. TI-Netzwerk-Ausfall. Die zentrale TI ist offline (sehr selten, aber möglich).
  3. Teilweiser Ausfall. KIM funktioniert, eRezept nicht. Oder umgekehrt.

Im Fall 1 sind Sie lokal betroffen. Im Fall 2 sind alle Ärzte betroffen. Im Fall 3 müssen Sie je nach Service fallback.

Die erste Frage ist immer: Ist der Konnektor das Problem oder die TI?

  • Schauen Sie auf die Status-LEDs des Konnektors. Rot = wahrscheinlich Konnektor-Problem.
  • Rufen Sie Ihren TI-Dienstleister an. Der kann prüfen, ob die TI online ist.
  • Prüfen Sie das Konnektor-Web-Interface (lokal, aus dem Netzwerk): Steht da eine Fehlermeldung?

Die rechtliche Regelung: Honorarabzug und Nachweis

Das ist wichtig zu verstehen: Bei Konnektor-Ausfall darf die KV Ihnen keinen Honorar abziehen. Das ist seit 2021 explizit geregelt.

Aber: Es gibt Bedingungen.

Sie müssen nachweisen, dass Sie nicht schuld sind. Wenn Sie den Konnektor einfach ignoriert haben, ihn nicht gepflegt haben, und plötzlich ist er offline – das zählt als Schuld. Dann kann die KV Abzüge vornehmen.

Aber wenn Sie sofort gehandelt haben (den TI-Dienstleister angerufen, den Fehler dokumentiert), dann schuldlos. Da gibt es Kulanz.

Sie müssen der KV Meldung geben. Wenn der Konnektor länger als 24 Stunden ausfällt, sollten Sie die KV informieren. Das geschieht über ein standardisiertes Formular. Die KV dokumentiert die Ausfallzeit. Das ist Ihr Beweis.

Merksatz: TI-Ausfall ohne Verschulden = Keine Honorarkürzung. Aber nur, wenn Sie sofort reagiert haben und die KV informiert haben.


Fallback-Szenario 1: eRezept → Muster-16 (Papier)

Was tun Sie, wenn der Konnektor ausfällt und Sie können keine eRezepte ausstellen?

Sie wechseln auf das Papierrezept – Muster 16.

Das Muster 16 ist das klassische rosa Rezept. Es ist immer noch gültig, auch wenn eRezepte Pflicht sind. Im Notfall dürfen Sie Muster-16 nutzen.

Praktisch: Sie haben Papier-Rezeptblöcke im Schrank. Falls der Konnektor ausfällt, greifen Sie darauf zurück. Sie schreiben das Rezept wie gehabt, unterschreiben es von Hand, und der Patient geht damit in die Apotheke.

Das ist langsamer (Sie müssen selbst schreiben statt zu tippen), aber es funktioniert.

Dokumentation: Sie sollten kurz notieren: „Muster-16 ausgestellt aufgrund TI-Ausfall, 15.3.2026, 9:15–10:30 Uhr."


Fallback-Szenario 2: eAU → Papierform

Die eAU braucht den Konnektor. Wenn der Konnektor ausfällt, können Sie keine eAU ausstellen.

Fallback: Sie nutzen die Papierform – Muster 1 (normale Arbeitsunfähigkeit) oder Muster 4 (Arbeitsunfähigkeit mit Diagnoseangabe).

Diese Formulare erhalten Sie von der KV. Sie sind gelb oder orange (je nach Form). Sie schreiben sie von Hand aus, unterschreiben, und der Patient nimmt das Original mit. Die Arbeitgeber- und Krankenkassenkopie gehen an die angegebenen Stellen.

Das ist das alte, papiergestützte Verfahren. Nicht elegant, aber zulässig im Notbetrieb.

Dokumentation: Auch hier sollten Sie notieren: „Papier-AU Muster 1 aufgrund TI-Ausfall, 15.3.2026."


Fallback-Szenario 3: ePA → Kein Zugriff

Die ePA braucht den Konnektor. Wenn der ausfällt, können Sie nicht auf die ePA zugreifen und keine neuen Unterlagen hochladen.

Was tun Sie? Sie dokumentieren alles lokal im PVS wie gehabt. Sobald der Konnektor wieder läuft, spielen Sie die Unterlagen nach – oder Sie warten, bis der nächste geplante Upload.

Der Patient wird nicht benachteiligt – seine Behandlung läuft normal. Die ePA ist eine Ergänzung, nicht essentiell für die Versorgung.

Das Wichtigste: Die Therapie läuft weiter. Die ePA-Synchronisation kann warten.


Fallback-Szenario 4: KIM → Papier, Fax oder Phone

KIM braucht den Konnektor. Wenn der ausfällt, funktioniert KIM nicht.

Was tun Sie, wenn Sie dringend einen Brief an einen Kollegen schreiben müssen?

  1. Fax: Noch immer zulässig. Ein Faxgerät oder ein Fax-Service kann helfen.
  2. Post: Ein Arztbrief per Post dauert länger, aber es ist zuverlässig.
  3. Telefon: Für Notfälle können Sie anrufen und mündlich abstimmen.
  4. Klinik-Intercom: Falls Sie mit einer Klinik arbeiten, kann der interne Botenverkehr Unterlagen transportieren.

Das ist langsamer, aber es funktioniert. Manche Praxen haben immer noch ein Faxgerät für Notfälle – das ist nicht dumm.


Notfall-Checkliste: Was tun beim TI-Ausfall?

Wenn der Konnektor rot leuchtet:

  1. Ruhig bleiben. Das ist nicht das Ende der Welt. Es gibt Fallbacks.
  2. Status prüfen. LEDs kontrollieren, Konnektor-Interface prüfen.
  3. TI-Dienstleister anrufen. Das ist Ihre erste Telefonnummer. Nicht die gematik, nicht die KV – der TI-Dienstleister.
  4. KV Bescheid geben. Wenn der Ausfall länger als 24 Stunden dauert.
  5. Fallback aktivieren. Papierrezepte, Papier-AU, lokale Dokumentation im PVS.
  6. Dokumentieren. Zeit des Ausfalls, Ursache (wenn bekannt), was Sie getan haben.

Die Notfall-Telefonummern sollten Sie kennen

  • TI-Dienstleister: Im Vertrag festgehalten. Speichern Sie die Nummer prominent ab.
  • KV-Servicenummer: Die KV Ihres Bundeslandes hat eine Hotline. Speichern Sie diese ebenfalls.
  • gematik-Hotline (nur für großflächige TI-Ausfälle): Nicht Ihre erste Anlaufstelle, aber für die Info, ob die TI selbst offline ist.

Wie lange darf die TI weg sein?

Theoretisch: Keine zeitliche Begrenzung – Sie dürfen im Notbetrieb so lange arbeiten, wie nötig.

Praktisch: Ein paar Stunden ist okay. Ein paar Tage ist nervös. Eine Woche ist ein Problem – dann brauchen Sie eventuell technische Hilfe von außen.

Die meisten Konnektor-Probleme sind innerhalb von 24 Stunden behoben. Ein Firmware-Update braucht 1-2 Stunden. Ein Zertifikatswechsel braucht ein paar Stunden. Nur bei Hardware-Ausfall (Konnektor selbst defekt) dauert es länger – bis zum Austausch durch den TI-Dienstleister (1-2 Tage Lieferzeit).


Langfristige Planung: Redundanz und Vorbereitung

Falls Sie in einer großen Praxis sind oder mehrere Standorte haben, können Sie überlegen:

  • Redundanter Konnektor: Zwei Konnektoren, im Notfall schaltet man zum zweiten um. (Aufwendig, aber für große Praxen erwägenswert.)
  • Backup-Internet: Zwei Internet-Provider, damit nicht ein Ausfallfall isoliert.
  • Papier-Bestände: Immer ein Vorrat an Muster-16, Muster-1 und Muster-4 Formularen im Schrank.

Für kleine Praxen: Nicht notwendig. Aber Sie sollten wenigstens ein paar Papierrezepte und Papier-AU-Formulare im Schrank haben.


Checkliste: TI-Ausfall und Notbetrieb

  • Ich kenne die Telefonnummer meines TI-Dienstleisters und habe sie gespeichert.
  • Ich kenne die Telefonnummer meiner KV und habe sie gespeichert.
  • Ich weiß, dass ich im Notbetrieb Muster-16, Muster-1 und Muster-4 nutzen darf.
  • Ich habe einen kleinen Vorrat dieser Formulare im Schrank.
  • Ich verstehe, dass die KV mir keinen Honorarabzug geben darf bei schuldlosem Ausfall.
  • Ich weiß, dass ich die KV bei Ausfällen länger als 24 Stunden informieren muss.
  • Ich habe einen Plan: Wer wird kontaktiert, wenn der Konnektor rot leuchtet?
  • Ich dokumentiere Ausfallzeiten und was ich unternommen habe.
  • Ich prüfe monatlich, dass die Fallback-Formulare verfügbar sind.
  • Mein PVS kann mit Offline-Betrieb umgehen (lokale Speicherung).
  • Falls länger Ausfall droht, habe ich einen IT-Support in der Nähe, der helfen kann.